Interdependenzen VI superficies. Oberflächengestaltungen von Bildwerken in Mittelalter und Früher Neuzeit

(German version below)

The aesthetics, value, functionality and conservation of sculptural works are significantly determined by their surface design. It is conceived to enhance, upgrade or conceal the basic material and the way it has been worked, and it can also evoke other materials and techniques. The fashioned surface can either reduce or increase the sculptural values of a piece, thus directly influencing three-dimensionality as the most important characteristic of the image. During the Middle Ages and the Early Modern period, artists have therefore engaged with surface design in different ways, reflected on its role and experimented with materials and techniques. In contrast to art historical research with its categories, they focused neither on genre boundaries (painting/sculpture) nor object hierarchies (fine/decorative art) or modern expectations of authenticity. On the contrary: especially where surface design is concerned, artists’ productivity and innovation outside such categories become apparent. Accordingly, the range of artistic techniques is manifold: some depend on the core material (e.g. polish, glaze), others may be applied to different base materials (e.g. colouring, gilding). In addition, every form of design requires ist own tools or materials, which are applied in accordance with specific rules, traditions and iconographies.

A discussion of this thematic area from art historical, art technological and restoration perspectives will be the focus of the sixth conference of the research project „Interdependencies. Arts and Artistic Techniques“. The conference will refer back to the subjects discussed at previous Interdependencies conferences, especially those dealing with the traces of working on the surface of art works and with sharing the work, while aiming for a deeper insight on sculptural works from the Middle Ages and teh Early Modern period. The conference objective of investigating the ambivalent relationship between surface design and sculpture, their convergences and competition, allows for a range of different approaches. The role and technique of surface design, ist value and appreciation, and the evocation of different materials and techniques should all be discussed, both from a contemporary and an art historical perspective. Furthermore, traces of planning and preparation of surface design should be explored, since they allow us to draw conclusions about design and working procedures. Finally, since the surface as the ‚outer skin’ of an artwork is particularly exposed to external influences, with the original functionality reduced or even suspended by weather conditions, wear and tear, wilful damage or inexpert restorations, the loss of surface design should also be considered in the context of art historical research, which may have even contributed to destruction.

The conference is directed at both established scholars and younger academic talent, be it from Germany or abroad. Travel and accommodation costs will be covered subject to financing.

Please send your abstract with a maximum of 5,000 characters and a brief CV to Andreas Huth (andreas.huth@tu-berlin.de) and Prof. Dr. Magdalena Bushart (magdalena.bushart@tu-berlin.de) by 06 August 2018.

Interdependenzen VI
superficies. Oberflächengestaltungen von Bildwerken in Mittelalter und Früher Neuzeit

Konzeption: Andreas Huth, Magdalena Bushart

Ästhetik, Wert, Funktionalität und Erhaltung von Bildwerken werden entscheidend von deren Oberflächengestaltung mitbestimmt. Sie soll das Grundmaterial und seine Bearbeitung betonen, aufwerten oder verbergen und ist in der Lage, andere Materialien und Techniken zu evozieren. Die gestaltete Oberfläche kann die plastischen Valenzen eines Werks sowohl einschränken als auch erweitern und hat so unmittelbar Einfluss auf dessen Raumhaltigkeit als dem wichtigsten Spezifikum des dreidimensionalen Bildes. Im Europa des Mittelalters und der Frühen Neuzeit setzten sich KünstlerInnen daher intensiv mit der Oberflächengestaltung auseinander, reflektierten ihre Funktionen und experimentierten mit Materialien und Techniken. Im Unterschied zu den Kategorien der kunstgeschichtlichen Forschung spielten für sie weder Gattungsgrenzen (Malerei/Bildhauerei) oder Objekthierarchisierungen (Kunst/Kunstgewerbe) noch die modernen Erwartungen an Eigenhändigkeit eine Rolle. Im Gegenteil: Gerade im Bereich der Oberflächengestaltung ist zu beobachten, wie produktiv und innovativ KünstlerInnen jenseits solcher Kategorien arbeiteten. Das Spektrum der verwendeten künstlerischen Techniken ist entsprechend vielfältig; manche Techniken sind vom Kernmaterial abhängig (z.B. Politur, Glasur), andere können auf verschiedenen Trägermaterialien eingesetzt werden (z.B. Farbfassungen, Vergoldungen). Zudem erfordert jede Art der Gestaltung bestimmte Werkzeuge und/oder Materialien, deren Einsatz eigenen Regeln, Traditionen und Ikonografien folgt.

Die Diskussion dieses Themenfelds aus kunstwissenschaftlicher, kunsttechnologischer und restauratorischer Perspektive soll bei der sechsten Tagung des Forschungsprojektes „Interdependenzen. Künste und künstlerische Techniken“ im Mittelpunkt stehen. Die Tagung nimmt Fragen vorangegangener Interdependenzen-Tagungen, insbesondere die nach den Arbeitsspuren auf der Oberfläche von Kunstwerken und der Arbeitsteilung, auf, und vertieft sie mit Blick auf Bildwerke des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Die Absicht der Tagung, das ambivalente Verhältnis von Oberflächengestaltungen und Bildwerken, ihre Konvergenzen und Konkurrenzen zu untersuchen, lässt eine Vielfalt von einzelnen Fragestellungen zu. Neben Funktionen und Techniken der Oberflächengestaltung sind auch Evokation anderer Materialien und Techniken sowie ihr Wert und ihre Wertschätzung zu diskutieren, wobei sowohl die zeitgenössische als auch die kunsthistorische Rezeption einzubeziehen ist. Zu berücksichtigen sind ferner die Spuren einer planvollen Vorbereitung der finalen Oberflächengestaltung, da sie Rückschlüsse auf den Entwurfs- und Arbeitsprozess erlaubt. Da die gestaltete Oberfläche als ‚Epidermis’ des Kunstwerks besonders stark äußeren Einflüssen ausgesetzt ist und Witterung, Gebrauch, mutwillige Beschädigungen oder unsachgemäße Restaurierungen ihre ursprünglichen Funktionen mindern oder suspendieren, ist schließlich auch danach zu fragen, welche Folgen der Verlust der Oberflächengestaltung für die kunsthistorische Forschung hat und wie diese möglicherweise sogar Zerstörungen Vorschub leistete.

Die Veranstaltung richtet sich ebenso an etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie an den wissenschaftlichen Nachwuchs aus dem In- und Ausland. Reise- und Übernachtungskosten werden vorbehaltlich der Finanzierung übernommen.

Bitte senden Sie Ihr Exposé im Umfang von nicht mehr als 5.000 Zeichen zusammen mit einem kurzen CV bis zum 06. August 2018 an Andreas Huth (andreas.huth@tu-berlin.de) und Prof. Dr. Magdalena Bushart (magdalena.bushart@tu-berlin.de).